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Broke by Choice

Arm sein ist teuer. Arm bleiben ist eine Entscheidung.

Die Rechnung

Coffee-to-go gegen ETF: die 30-Jahre-Rechnung – und die Zahl, die alle weglassen

Jeder Finanzblog rechnet dir vor, dass dein Kaffee 60.000 Euro kostet. Stimmt fast. Was dabei fehlt, ist genau die Hälfte.

von · · 6 Minuten Lesezeit

Du kaufst an jedem Arbeitstag einen Kaffee für 3,50 Euro. Das sind 17 € die Woche und 875 € im Jahr. Bis hierhin ist die Rechnung langweilig, und trotzdem überrascht sie die meisten: Es ist ungefähr ein halbes Netto-Monatsgehalt, ausgegeben in Einheiten von 3,50 Euro.

Jetzt der Teil, den du kennst

Leg dieselben 73 € im Monat 30 Jahre lang an, mit 5 Prozent Rendite im Jahr, und du hast am Ende 59.457 €. Das ist die Zahl, die in jedem zweiten Video steht, meistens mit einem Ausrufezeichen und einem erschrockenen Gesicht im Vorschaubild.

Die Zahl ist richtig gerechnet. Sie ist trotzdem irreführend, und zwar aus zwei Gründen, die selten jemand dazusagt.

Grund eins: Das meiste davon ist dein eigenes Geld

Von den 59.457 € hast du 26.251 € selbst eingezahlt. Der Zins hat 33.206 € beigesteuert. Das ist eine Menge, aber es ist nicht die Verwandlung von Kaffee in ein Vermögen – es ist vor allem 30 Jahre lang nicht ausgeben.

Grund zwei: 2056er Euro sind keine 2026er Euro

Bei 2 Prozent Geldentwertung im Jahr – dem Ziel der Europäischen Zentralbank[1] – sind die 59.457 € in 30 Jahren so viel wert wie 32.825 € heute. Das ist immer noch ein sehr gutes Ergebnis für einen verzichteten Kaffee. Es ist aber nicht die Zahl aus der Überschrift, sondern gut die Hälfte davon.

Warum wir bei 5 Prozent rechnen und nicht bei 7

Die viel zitierten 7 Prozent sind der nominale historische Mittelwert breiter Aktienmärkte – vor Fondskosten und vor Steuern. Wer mit 7 rechnet UND die Inflation abzieht, zieht sie entweder doppelt ab oder gar nicht, je nachdem, was er vergisst. Wir nehmen 5 Prozent als nominalen Ansatz nach Kosten und ziehen die Geldentwertung danach sichtbar ab. Beide Zahlen sind Annahmen und stehen unter jedem Ergebnis.

Rechne es mit deinem Kaffee nach

Diese Rechnung läuft auf unserem Server und wird nicht gespeichert – weder dein Ergebnis noch deine Eingabe.

pro Woche

17 €

pro Monat

73 €

pro Jahr

875 €

Einmal 3,50 €
Mal im Jahr (an jedem Arbeitstag) 250,00
Im Jahr 875 €
Als Monatsrate angelegt 73 €
Nach dem Zeitraum, nominal 59.457 €
Davon in heutiger Kaufkraft 32.825 €

Annahmen dieser Rechnung

  • Angenommene Rendite je Jahr: 5,0 %
  • Angenommene Geldentwertung je Jahr: 2,0 %
  • Betrachtungszeitraum: 30
  • Gerechnet, als würde der Jahresbetrag in zwölf Monatsraten angelegt.

Und jetzt die unbequeme Frage

Niemand legt einen Kaffee an. Die Rechnung zeigt eine Größenordnung, keinen Kontoauszug – und sie funktioniert mit jeder Gewohnheit, nicht nur mit der, die sich gut belehren lässt. Ein Feierabendbier, eine Zigarettenschachtel, ein Parkhaus statt zehn Minuten Fußweg: dieselbe Rechnung, dieselbe Größenordnung.

Der Punkt ist nicht, dass du den Kaffee lassen sollst. Der Punkt ist, dass wiederkehrend die teuerste Eigenschaft einer Ausgabe ist, und dass wir sie beim Kleinen systematisch übersehen und beim Grossen nicht. Über eine Anschaffung von 875 Euro denkt jeder nach. Über 3,50 Euro denkt niemand nach – auch dann nicht, wenn es 250-mal dieselben 3,50 Euro sind.

Was du dagegen tun kannst

  1. Behalte den Kaffee, streiche eine andere Gewohnheit

    Zieh deine drei größten wiederkehrenden Ausgaben in den Rechner oben, nicht die, über die man Witze macht. Sehr oft steht ganz oben etwas, das dir gar nicht wichtig ist – und der Kaffee, an dem der halbe Vormittag hängt, ist der billigste Posten der Liste.

  2. Mach aus der Zahl einen Dauerauftrag, nicht einen Vorsatz

    Wenn du wirklich etwas anlegen willst: Richte den Dauerauftrag auf den Tag nach dem Gehaltseingang ein, nicht auf das Monatsende. Was am Monatsende übrig ist, ist per Definition das, was übrig geblieben ist – und das ist in dem Monat, in dem die Waschmaschine kaputtgeht, nichts.

  3. Fang mit dem Notgroschen an, nicht mit dem Depot

    Wer noch keine Rücklage hat, verkauft im ersten Notfall genau dann, wenn es am schlechtesten passt. Wie viel du brauchst und wo das Geld hingehört, steht in Notgroschen: wie viel du wirklich brauchst.

Häufige Fragen

Sind 5 Prozent Rendite realistisch?

Es ist eine Annahme, keine Zusage. Ein Zeitraum von 30 Jahren enthält Jahrzehnte, in denen es deutlich weniger war, und solche, in denen es mehr war. Wer eine Zahl für die Zukunft nennt, nennt eine Annahme – wir schreiben sie deshalb unter jedes Ergebnis, statt sie im Kleingedruckten zu verstecken.

Warum rechnet ihr mit 250 Arbeitstagen?

52 Wochen mal 5 Tage sind 260, davon ab rund 10 Feiertage und 30 Urlaubstage macht 250 für eine Vollzeitstelle mit dem übliche Urlaubsanspruch. Wer anders arbeitet, ändert die Zahl im Rechner – der Rhythmus ist ein Feld und keine Vorgabe.

Ist die Steuer eingerechnet?

Nein. Auf Kursgewinne und Ausschüttungen fällt in Deutschland Abgeltungsteuer an, gemindert um Teilfreistellung und Sparerpauschbetrag. Die Rechnung oben ist damit die obere Kante. Wir sagen es lieber dazu, als eine höhere Zahl hinzuschreiben.

Dieser Beitrag ist keine Anlageberatung. Wir beschreiben, wie Dinge funktionieren, und was sie kosten. Was zu deiner Lage passt, weisst nur du – im Zweifel mit jemandem, der sie kennt.

Quellen

  1. Preisstabilität: Definition und mittelfristiges Ziel von 2 Prozent, Europäische Zentralbank, abgerufen am 21. August 2026.

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