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Broke by Choice

Arm sein ist teuer. Arm bleiben ist eine Entscheidung.

Von Null auf nicht mehr arm

Erst tilgen oder erst sparen? Die Rechnung ist eindeutiger als die Debatte

Dein Dispo kostet 9,39 Prozent, dein Tagesgeld bringt 0,51. Wer beides gleichzeitig hat, verliert die Differenz – jeden Tag, ohne dass etwas passiert.

von · · 9 Minuten Lesezeit

Stell dir vor, du hast 3.000 Euro auf dem Tagesgeldkonto und 3.000 Euro im Minus auf dem Girokonto. Das ist kein konstruiertes Beispiel, das ist ein sehr häufiger Zustand – man will ja etwas übrig haben.

Rechne es aus. Der Dispo kostete im Juni 2026 im Schnitt 9,39 Prozent[1], das sind 282 € im Jahr. Täglich fälliges Geld brachte 0,51 Prozent[4], auf 3.000 Euro also 15,30 Euro. Unterm Strich verlierst du 266 Euro im Jahr dafür, dass dasselbe Geld auf der falschen Seite liegt.

Tilgen ist die einzige Verzinsung, die vorher feststeht

Der Satz klingt nach Werbung, ist aber eine Subtraktion. Wenn du 3.000 Euro Dispo tilgst, sparst du dir 9,39 Prozent Zinsen. Nicht wahrscheinlich, nicht im Mittel über dreißig Jahre, nicht abzüglich Kursrisiko: Der Satz steht in deinem Vertrag, und er gilt ab dem Tag der Tilgung. Steuerfrei ist es obendrein – von Zinserträgen gehen 25 Prozent Abgeltungsteuer ab[8], von gesparten Zinsen nichts, denn nicht gezahlte Zinsen sind kein Ertrag.

Die Gegenprobe macht es anschaulich: Um mit 0,51 Prozent Tagesgeldzins überhaupt so viel zu verdienen, wie ein Dauerdispo von 2.000 Euro kostet, bräuchtest du rund 36.800 Euro auf dem Konto. Wer 36.800 Euro hat, liest diesen Beitrag vermutlich nicht.

Und selbst das Beste, was Sparen gerade bringt, reicht nicht

Festgeld über zwei Jahre brachte im Juni 2026 im Schnitt 2,63 Prozent[5], das Sparbuch 0,71[6]. Die Inflation lag im Juli 2026 bei 2,8 Prozent[7]. Das heißt: Selbst die bestbezahlte Einlage in dieser Aufzählung verliert real an Kaufkraft, während der Dispo nominal 9,39 Prozent nimmt. Der Abstand ist nicht knapp.

Warum trotzdem nicht alles auf einmal

Hier hört die reine Zinsrechnung auf. Wer sein gesamtes Erspartes in die Tilgung steckt und dann steht ohne Polster da, finanziert die nächste kaputte Waschmaschine wieder über den Dispo – zu 9,39 Prozent. Man hätte dann den Zins gespart und ihn drei Monate später neu bezahlt, zuzüglich des Gefühls, dass Sparen ohnehin nichts bringt.

Deshalb die Reihenfolge: ein kleines Polster, das eine Reparatur trägt. Dann tilgen, und zwar alles. Dann das volle Polster aufbauen. Wie groß deins sein muss, hängt an deinen Fixkosten und nicht an deinem Gehalt – der Notgroschen-Rechner rechnet es aus und sagt dir auch, wie viele Tage dein heutiges Polster trägt.

Die Reihenfolge der Schulden untereinander

Wenn du mehrere hast, entscheidet der Zinssatz und nichts sonst. Im Juni 2026 galten im Schnitt:

Von oben nach unten abarbeiten. Das ist unromantisch und es ist mathematisch richtig. Wer stattdessen mit der kleinsten Summe anfängt, weil sich das besser anfühlt, zahlt für dieses Gefühl – wie viel genau, rechnest du unten aus, indem du beide Reihenfolgen einmal durchspielst.

Rechne deine eigene Lage

Diese Rechnung läuft auf unserem Server und wird nicht gespeichert – weder dein Ergebnis noch deine Eingabe.

Bis du raus bist

22 Monate

Insgesamt gezahlt

3.263 €

Davon Zinsen

8,1 %

50 € mehr im Monat bringen dich 6 Monate früher raus und sparen 68 € an Zinsen.

Offen 3.000 €
Deine Rate im Monat 150 €
Monate bis zur Tilgung 22,00
Insgesamt gezahlt 3.263 €
Davon Zinsen 263 €

Annahmen dieser Rechnung

  • Der eingetragene Satz wird als effektiver Jahreszins gelesen und mit der zwölften Wurzel auf den Monat umgerechnet – so, wie er auf einem deutschen Kreditvertrag steht. Durch zwölf geteilt käme eine zu hohe Zahl heraus.
  • Gerechnet wird Monat für Monat in ganzen Cent: erst Zinsen aufschlagen, dann Rate abziehen. So bucht eine Bank, und so lässt sich das Ergebnis nachrechnen.

Vorbelegt sind 3.000 Euro zu 9,39 Prozent mit 150 Euro Rate und 50 Euro Zusatz. Trag deine echten Zahlen ein – den Zinssatz findest du im Preis- und Leistungsverzeichnis deiner Bank. Setz die Rate testweise auf null: Das ist der Zustand, in dem viele Konten dauerhaft stehen, und der Rechner sagt dir dann, was allein das Nichtstun im Jahr kostet.

Wo diese Rechnung aufhört

Sie gilt für Menschen, die die Wahl haben – die also Erspartes UND Schulden haben. Wer keins von beidem hat, weil am Monatsende nichts übrig bleibt, dem sagt diese Seite nichts Nützliches, und der ehrlichste Satz an dieser Stelle ist genau der. Die kostenlose Schuldnerberatung ist dann die richtige Adresse; die Nummern stehen unter Wenn es wirklich eng ist.

Zwei Grenzen, die auch beim Sparen gelten

Wenn das Polster später wächst, werden zwei Zahlen wichtig. Erstens: Dein Guthaben ist gesetzlich bis 100.000 Euro je Institut geschützt[10] – nicht je Konto, sondern je Bank und Kunde. Zweitens: Die ersten 1.000 Euro Kapitalerträge im Jahr bleiben über den Sparer-Pauschbetrag steuerfrei[9]. Bei 0,51 Prozent Tagesgeldzins reißt du diese Grenze erst mit rund 196.000 Euro auf dem Konto – das ist einer der wenigen Fälle, in denen eine Steuerfrage sich von selbst erledigt.

Was du dagegen tun kannst

  1. Schlag heute deinen eigenen Sollzinssatz nach

    Er steht im Preis- und Leistungsverzeichnis deiner Bank, meist unter „Sollzinssatz für eingeräumte Kontoüberziehung“. Ohne diese Zahl rechnest du mit unserem Durchschnitt statt mit deiner Wirklichkeit, und die Spanne zwischen Instituten ist erheblich – belastbar beziffern konnten wir sie nicht, weil die Bundesbank nur volumengewichtete Durchschnitte veröffentlicht.

  2. Lass ein Polster stehen, das eine Reparatur trägt, und tilge den Rest

    Nicht das volle Drei-Monats-Polster, sondern den Betrag, der eine Waschmaschine oder eine Autoreparatur abfängt. Alles darüber gehört auf die teuerste Schuld. Das ist der Punkt, an dem die Zinsrechnung und die Lebenswirklichkeit sich treffen – vorher gewinnt die Lebenswirklichkeit, danach die Zinsrechnung.

  3. Arbeite die Schulden nach Zinssatz ab, nicht nach Betrag

    Kreditkartenkredit vor Dispo, Dispo vor Ratenkredit. Die kleinste Summe zuerst zu tilgen fühlt sich besser an und kostet Geld. Wenn du das Gefühl brauchst, um überhaupt anzufangen, nimm es – aber rechne einmal aus, was es kostet, damit die Entscheidung deine ist und nicht die eines Ratgebers.

  4. Setz dir ein Enddatum, das der Dispo nicht hat

    Der Dispo ist die einzige Schuld ohne Tilgungsplan, und genau deshalb bleibt er. Trag im Rechner oben die Rate ein, die du wirklich schaffst, und schreib das Enddatum auf einen Zettel. Ein Datum verwandelt einen Vorsatz in einen Plan, und der Unterschied kostet dich nichts.

Häufige Fragen

Ist Tilgen nicht auch nur eine Form von Sparen?

Wirtschaftlich ja, und genau das ist der Punkt: Es ist die Form, die die höchste sichere Verzinsung hat, die dir jemand anbieten kann. Der Unterschied liegt im Gefühl – ein wachsendes Tagesgeldkonto sieht nach Fortschritt aus, ein schrumpfender Dispo nach nichts. Deshalb ist es leichter zu unterlassen, obwohl es die bessere Rechnung ist.

Warum steht hier nichts über Aktien oder ETFs?

Weil die Frage dieses Beitrags vor dieser Entscheidung liegt. Eine Anlage mit Kursrisiko gegen einen Dispo zu 9,39 Prozent abzuwägen heißt, eine unsichere Rendite gegen eine sichere zu tauschen. Was danach zu deiner Lage passt, weißt nur du – im Zweifel mit jemandem, der sie kennt. Dieser Beitrag ist keine Anlageberatung, und der Hinweis darunter steht nicht aus Höflichkeit da.

Eure Zinssätze sind von Juni. Warum nicht aktueller?

Weil die Zinsstatistik der Bundesbank am 24. August 2026 nicht weiter reichte, und der Juni-Wert dort ausdrücklich als vorläufig gekennzeichnet ist. Wir schreiben lieber ein Datum dazu, als eine Zahl aktueller aussehen zu lassen, als sie ist. Deinen eigenen Satz kennst du ohnehin genauer als jeden Durchschnitt.

Dieser Beitrag ist keine Anlageberatung. Wir beschreiben, wie Dinge funktionieren, und was sie kosten. Was zu deiner Lage passt, weisst nur du – im Zweifel mit jemandem, der sie kennt.

Quellen

  1. MFI-Zinsstatistik: revolvierende Kredite und Überziehungskredite an private Haushalte, 9,39 Prozent im Juni 2026 (vorläufiger Wert), Deutsche Bundesbank, abgerufen am 24. August 2026.
  2. MFI-Zinsstatistik: echte Kreditkartenkredite an private Haushalte, 17,24 Prozent im Juni 2026 (vorläufiger Wert), Deutsche Bundesbank, abgerufen am 24. August 2026.
  3. MFI-Zinsstatistik: Konsumentenkredite an private Haushalte, effektiver Jahreszinssatz einschließlich Kosten 8,35 Prozent im Juni 2026 (vorläufiger Wert), Deutsche Bundesbank, abgerufen am 24. August 2026.
  4. MFI-Zinsstatistik: täglich fällige Einlagen privater Haushalte, 0,51 Prozent im Juni 2026 (vorläufiger Wert), Deutsche Bundesbank, abgerufen am 24. August 2026.
  5. MFI-Zinsstatistik: Einlagen privater Haushalte mit vereinbarter Laufzeit über zwei Jahre, 2,63 Prozent im Juni 2026 (vorläufiger Wert), Deutsche Bundesbank, abgerufen am 24. August 2026.
  6. MFI-Zinsstatistik: Einlagen privater Haushalte mit dreimonatiger Kündigungsfrist, 0,71 Prozent im Juni 2026 (vorläufiger Wert), Deutsche Bundesbank, abgerufen am 24. August 2026.
  7. Verbraucherpreisindex Juli 2026: plus 2,8 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat, Kernrate plus 2,4 Prozent, Statistisches Bundesamt, abgerufen am 24. August 2026.
  8. § 32d EStG: gesonderter Steuertarif für Einkünfte aus Kapitalvermögen, 25 Prozent, Bundesministerium der Justiz und Bundesamt für Justiz, abgerufen am 24. August 2026.
  9. § 20 Abs. 9 EStG: Sparer-Pauschbetrag von 1.000 Euro, Bundesministerium der Justiz und Bundesamt für Justiz, abgerufen am 24. August 2026.
  10. § 8 EinSiG: Deckungssumme von 100.000 Euro je Einleger und CRR-Kreditinstitut, Bundesministerium der Justiz und Bundesamt für Justiz, abgerufen am 24. August 2026.
  11. MFI-Zinsstatistik: Konsumentenkredite an private Haushalte, Effektivzinssatz ohne Kosten 8,00 Prozent im Juni 2026 (vorläufiger Wert), Deutsche Bundesbank, abgerufen am 24. August 2026.

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