Zieh den Stecker, und du sparst 1,62 Euro im Jahr
Der bekannteste Spartipp der Republik stimmt. Er ist nur rund fünfzigmal kleiner als der Posten, über den niemand redet.
von Die Redaktion · · 8 Minuten Lesezeit
Ein Gerät, das die europäische Obergrenze einhält, zieht im Stand-by ein halbes Watt[3]. Rund um die Uhr, das ganze Jahr, sind das 4.4 Kilowattstunden. Bei 37,0 Cent je Kilowattstunde[1] macht das 1,62 €. Für ein Gerät. Im Jahr.
Das ist kein Argument gegen das Steckerziehen. Es ist ein Argument dagegen, dass es der erste Rat ist, den man Menschen gibt, die ihre Stromrechnung senken wollen. Denn während du abends hinter dem Fernseher greifst, laufen die drei Posten weiter, um die es wirklich geht.
Wo dein Strom tatsächlich hingeht
Ein deutscher Haushalt verbraucht im Schnitt 2.434 Kilowattstunden im Jahr[4] – zum Preis oben rund 900 Euro. Der größte Einzelblock ist nicht das, was die meisten raten:
- Informations- und Kommunikationstechnik: 712 kWh, 29,2 Prozent[6] – also rund 263 Euro im Jahr. Rechner, Fernseher, Router, Konsole, Ladegeräte.
- Waschen und Trocknen: 306 kWh, 12,6 Prozent[7] – rund 113 Euro.
- Kühlen und Gefrieren: 247 kWh, 10,1 Prozent[8] – rund 91 Euro.
- Warmwasser: 95 kWh, 3,9 Prozent[9] – rund 35 Euro. Ja, so wenig: Die meisten Haushalte erwärmen ihr Wasser nicht mit Strom.
Jetzt die Rechnung, um die es geht. Um die 91 Euro einzusparen, die dein Kühlen kostet, müsstest du an 56 Geräten dauerhaft den Stecker ziehen. Um an den Informations- und Kommunikationsblock heranzukommen, an 163. So viele Geräte hast du nicht, und wenn doch, ziehst du nicht an allen jeden Abend.
Woher die vier Milliarden kommen
In fast jedem Sparartikel steht, Stand-by koste Deutschland vier Milliarden Euro im Jahr. Die Zahl stammt von einer Seite des Umweltbundesamtes – mit dem Stand 3. Februar 2014[10]. Die Grundzahl dahinter, 22 Milliarden Kilowattstunden, nennt eine Pressemitteilung derselben Behörde vom Juli 2008 mit dem Datenstand 2004, und sie umfasst Privathaushalte und Büros[11]. Auch die Fachseite zu Leerlaufverlusten wurde zuletzt im September 2015 angefasst und nennt selbst keine Zahl je Haushalt[12].
Dazwischen liegt die Verordnung, die die Obergrenze auf ein halbes Watt gesenkt hat, und zwei Gerätegenerationen. Eine Zahl von 2004 über Geräte, die es 2004 gab, beschreibt deinen Haushalt von 2026 nicht. Sie wandert trotzdem weiter, weil sie groß ist und niemand nachsieht.
Was wir nicht belegen können
Einen aktuellen amtlichen Wert dafür, was Stand-by einen deutschen Haushalt heute im Jahr kostet. Weder Umweltbundesamt noch Bundesnetzagentur führen einen solchen Wert mit einem Stand nach 2015, und die Studie, aus der die Blockzahlen oben stammen, weist Bereitschaft nicht als eigene Position aus. Wir könnten den Anteil schätzen. Wir tun es nicht – eine geschätzte Zahl in einer Rechnung, die als nachrechenbar verkauft wird, ist der teuerste Satz, den man schreiben kann.
Rechne dein eigenes Gerät
Im Jahr
135,1 kWh
Davon Betrieb
49 €
Davon Bereitschaft
1,35 €
Die Bereitschaft macht 2,7 % der Kosten aus. Wer den Stecker zieht, spart 1,35 € im Jahr – und muss ihn dafür jeden Tag wieder hineinstecken.
| Leistung im Betrieb | 90,00 |
| Stunden am Tag | 4,00 |
| Kilowattstunden im Jahr, Betrieb | 131,50 |
| Kilowattstunden im Jahr, Bereitschaft | 3,70 |
| Kilowattstunden im Jahr | 135,10 |
| Das kostet es im Jahr | 50 € |
Annahmen dieser Rechnung
- Tage im Jahr: 365
- Die übrigen Stunden des Tages zählen als Bereitschaft. Wer sein Gerät wirklich vom Netz nimmt, trägt dort 0 Watt ein.
- Die Wattzahl kommt von dir. Wir führen keine Geräteliste – solche Werte streuen über eine Größenordnung, und eine gepflegte Liste wäre nach zwei Jahren eine Sammlung von Behauptungen. Sie steht auf dem Typenschild oder auf einem Messgerät.
Vorbelegt ist ein Fernseher, der vier Stunden am Tag läuft. Sieh dir den Anteil an, den die Bereitschaft ausmacht – und dann trag dein eigenes Gerät ein. Die Wattzahl steht auf dem Typenschild an der Rückseite oder im Datenblatt. Interessant wird es bei den Ausnahmen: Smart-Speaker, Set-Top-Boxen und Spielekonsolen sind von der Halbwatt-Grenze ausgenommen[3], und genau dort lohnt das Ziehen wirklich.
Der Posten, den fast jeder übersieht
Wie viele Menschen bei dir wohnen, entscheidet über mehr als das Doppelte: 1.556 Kilowattstunden bei einer Person, 4.175 bei vier und mehr[5]. Und über alle Haushalte hinweg ist der Verbrauch gefallen – 2020 waren es noch 2.660 Kilowattstunden, heute 2.434[4]. Deine Geräte sind also im Schnitt besser geworden, während dein Preis gestiegen ist.
Bleibt der Preis selbst, und der ist der einzige Posten auf dieser Seite, den du an einem Nachmittag ändern kannst. Die 37,0 Cent oben gelten für Neukundentarife bei 3.500 Kilowattstunden im Jahr[1]. Die Bundesnetzagentur misst über alle Verträge hinweg 40,1 Cent (Frühjahr 2025)[2]. Wer seit Jahren im selben Vertrag steht, zahlt eher den zweiten Wert – und die Differenz von gut drei Cent ist bei 2.434 Kilowattstunden rund 75 Euro im Jahr. Das sind sechsundvierzig Stecker.
Was du dagegen tun kannst
-
Miss ein Gerät, statt an allen zu ziehen
Ein Steckdosen-Messgerät beendet das Raten in einer Woche. Häng es an das Gerät, von dem du am meisten erwartest – meist ist es nicht das, an dem du bisher gezogen hast. Erst dann weißt du, ob die Bereitschaft bei dir drei Prozent ausmacht oder dreißig.
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Fang beim größten Block an, nicht beim bequemsten
Der Informations- und Kommunikationsblock ist mit 29,2 Prozent der größte, und er besteht aus Geräten, die stundenlang laufen, nicht aus Geräten, die warten. Ein Rechner, der nachts durchläuft, kostet ein Vielfaches jedes Stand-by-Geräts. Die Frage ist nicht, was gezogen wird, sondern was ausgeschaltet wird.
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Prüf deinen Tarif, das ist der Nachmittag mit dem größten Ertrag
Der Unterschied zwischen dem, was Neukunden zahlen, und dem, was über alle Verträge gemessen wird, ist bei durchschnittlichem Verbrauch ein zweistelliger Betrag im Jahr – ohne dass du ein einziges Gerät anders benutzt. Was ein Wechsel bei deinen Zahlen bringt und was deine Stunde dabei wert ist, rechnest du mit dem Wechsel-Rechner aus.
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Nimm eine Steckdosenleiste mit Schalter, wenn du trotzdem ziehen willst
Nicht weil es viel spart, sondern weil es dann keine Arbeit mehr ist. Der Grund, warum Steckerziehen scheitert, ist nie der Ertrag, sondern der tägliche Griff hinter das Möbelstück. Ein Schalter macht aus einer Gewohnheit eine Bewegung – und bei den ausgenommenen Geräten lohnt es sich wirklich.
Häufige Fragen
Mein Strom kostet mehr als 37 Cent. Rechnet ihr schön?
Wahrscheinlich zahlst du mehr, und das steht auch oben: Die 37,0 Cent sind Neukundentarife bei 3.500 Kilowattstunden. Über alle Verträge hinweg misst die Bundesnetzagentur 40,1 Cent. Trag deinen eigenen Preis in den Rechner ein – er steht auf deiner Jahresabrechnung, meist als Arbeitspreis in Cent je Kilowattstunde.
Warum ist Warmwasser bei euch so klein?
Weil die meisten Haushalte ihr Wasser nicht mit Strom erwärmen, sondern mit Gas oder Fernwärme. Die 95 Kilowattstunden sind der Durchschnitt über alle Haushalte, also auch über die vielen, bei denen dieser Posten null ist. Wer einen elektrischen Durchlauferhitzer hat, liegt weit darüber – und für den ist es der größte Posten überhaupt.
Heißt das, Steckerziehen ist sinnlos?
Nein. Es heißt, dass es der kleinste der drei Hebel ist. Bei den Geräten, die von der Halbwatt-Grenze ausgenommen sind, lohnt es sich wirklich – und dort misst du am besten nach, statt zu raten. Was sich weniger lohnt, ist der Aufwand: Wer jeden Abend hinter das Sideboard greift und dabei den Tarifwechsel aufschiebt, tauscht Euro gegen Cent.
Quellen
- BDEW-Strompreisanalyse August 2026: 37,0 ct/kWh für einen Haushalt mit 3.500 kWh Jahresverbrauch, Neukundentarife, BDEW Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft, abgerufen am 24. August 2026.
- Monitoringbericht 2025: 40,1 ct/kWh im Frühjahr 2025 über alle Verträge hinweg, Bundesnetzagentur, abgerufen am 24. August 2026.
- Strom sparen im Haushalt: Neue Geräte dürfen im Stand-by nur noch 0,5 Watt ziehen; ausgenommen sind Smart-Speaker, Set-Top-Boxen und Spielekonsolen, Verbraucherzentrale, abgerufen am 24. August 2026.
- Stromverbrauch im Haushalt 2025: 2.434 kWh je Haushalt im Jahr, 2020 noch 2.660 kWh, BDEW Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft, abgerufen am 24. August 2026.
- Stromverbrauch im Haushalt 2025: 1.556 kWh bei einer Person, 2.551 bei zwei, 3.508 bei drei, 4.175 bei vier und mehr, BDEW Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft, abgerufen am 24. August 2026.
- Stromverbrauch im Haushalt 2025: Informations- und Kommunikationstechnik 712 kWh, 29,2 Prozent des Verbrauchs, BDEW Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft, abgerufen am 24. August 2026.
- Stromverbrauch im Haushalt 2025: Waschen und Trocknen 306 kWh, 12,6 Prozent, BDEW Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft, abgerufen am 24. August 2026.
- Stromverbrauch im Haushalt 2025: Kühlen und Gefrieren 247 kWh, 10,1 Prozent, BDEW Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft, abgerufen am 24. August 2026.
- Stromverbrauch im Haushalt 2025: Warmwasser 95 kWh, 3,9 Prozent, BDEW Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft, abgerufen am 24. August 2026.
- Energiesparen im Haushalt: vier Milliarden Euro für Leerlaufverluste, Seitenstand 3. Februar 2014, Umweltbundesamt, abgerufen am 24. August 2026.
- Bye bye Stand-By: 22 Milliarden Kilowattstunden, Datenstand 2004, Privathaushalte und Büros (Pressemitteilung 54/08, Juli 2008), Umweltbundesamt, abgerufen am 24. August 2026.
- Leerlaufverluste, zuletzt aktualisiert am 30. September 2015, ohne Angabe je Haushalt, Umweltbundesamt, abgerufen am 24. August 2026.
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